Rohstoffe handeln

Agrargüter

Wer kann sich nicht daran erinnern, an die so genannten Butterberge in Deutschland und der EU. Es wurde mehr produziert und angebaut als verbraucht. Das hat zwar enorme Lagerkosten beschert, sich aber dennoch gelohnt. Dann wurden EU-Flächen "stillgelegt" und für die Bauern ein Ausfallgeld bezahlt. Durch bestimmte Gesetzeslücken hatten diese Bauern trotzdem die Möglichkeiten, um beispielsweise Raps anzubauen, und somit Bio-Diesel. Damit konnte doppelt verdient werden, was aber für viele Bauern trotzdem gerade die Kosten deckte. Wir haben ja in diesem Jahr auch festgestellt, dass sich Milch und Milchprodukte verteuerten, weil die Landwirte seit Jahren unter Preis verkaufen mussten.

Aber durch die weltweite Mehrbevölkerung, und dem damit verbundenen Hunger in den armen Ländern, kommt jetzt eine neue Erschwernis dazu. Die Knappheit an Agrargütern. Es wird zuwenig angebaut an Getreide, Reis und ähnlichem, auch die Trockenheit in vielen Ländern, sowie Naturkatastrophen und Ernteausfälle verschlimmern die weltweit angespannte Lage. So ist es nicht verwunderlich, dass hier wieder neue Finanzmärkte erschlossen werden. Wenn sich auch die jährlichen Nahrungsmittelbörsen in den USA mit Erdnüssen, Soja und Baumwolle seit vielen Jahrzehnten bewegen, kommt heutzutage noch der weltweite Bedarf dazu. Wenn dann noch die Natur verrückt spielt, sind viele Länder bedroht und können sich die wenigen eigenen angebauten Agrargüter nicht mehr leisten, weil diese zu teuer sind und meist noch teurer werden. Dadurch ist es nicht verwunderlich, dass Rohstoffe im Lebensmittelbereich auch schon investmenttechnisch gehandelt werden. In Weizen, Soja, Reis und vieles mehr zu investieren lohnt sich, und wird auch anhalten, da sich hier die Lage nicht verändern wird. Da sind von heute auf morgen keine neuen Anbauflächen vorhanden. So vermeldete das Handelsblatt, dass Anleger in Agrarrohstoffen deutlich höher steigende Preise (prozentual gesehen) vermeldeten, als zum Beispiel in Metallen.

So werden die Warenbörsen-Berichte von optimistischen Bankenanalysen gefüttert. Da heißt es beispielsweise bei der Deutschen Bank, dass aufgrund geringer Vorräte und schlechter Witterung die Agrarpreise weltweit steigen dürften (Bericht Dezember 2007), was sie ja bereits auch tun. Andere Analytiker sehen Agrar-Kontrakte bereits als wichtige Diversifizierung zu anderen Anlageformen, wie Anleihen oder Aktien. In guten oder auch in schlechten Zeiten, gegessen wird ja immer. Während man in einer Rezession auf Luxusgüter eher verzichtet oder sein Fortbewegungsmittel und Heiligtum Auto mal ein oder zwei Jahre länger fährt, will man auch in schweren Zeiten ungern hungrig vom Tisch aufstehen. Wer an die vielen hundert Millionen Chinesen und Asiaten denkt, die sich langfristig nicht von Reis allein ernähren wollen, sowie an den Wohlstand in anderen Ländern Asiens und Südamerikas teilhaben wollen, könnte angesichts der zu erwartenden Preissteigerungen so richtig Lust auf das wachsende Landwirtschafts-Investment bekommen. Guten Appetit.